Die Erhebung von Sprachdaten mit visuellen Stimuli

Das MA-Seminar findet an der Universität zu Köln, Institut für Linguistik, Sommersemester 2020, MIttwoch 12-13.30 Uhr statt.

Auf dieser Seite finden Sie bereits die Beschreibung des Kurses und die Links zu LIteraturliste und Ressourcen. Zu Beginn des Seminars wird der Semesterplan hinzugefügt und die Handouts zum Kurs werden nach der entsprechenden Sitzung  im Seminarplan verlinkt.

Beschreibung

Sowohl in der Psycholinguistik als auch in der linguistischen Feldforschung und Sprachdokumentation verwendet man neben Spontansprachaufnahmen und Fragebögen immer häufiger auch visuelle Stimuli, um Menschen zum Sprechen anzuregen und ihre Sprache aufzunehmen. Bei diesen Stimuli handelt es sich oft um Fotos, Zeichnungen oder Videos, die beschrieben werden sollen. Man setzt aber auch physische Objekte ein, um Sprachimpulse zu geben, z.B. Spielzeug, Haushaltsgegenstände oder Naturmaterialien.

In diesem Kurs werden wir diskutieren, wie man solche Stimuli gestaltet und verwendet, z.B. in kontrollierten Experimenten, in Sprachspielen und bei der Erhebung von narrativen Daten. Dabei werden wir verschiedene Archive für frei verfügbare Stimulusmaterialien kennenlernen, aber auch Software zur Bearbeitung oder Präsentation von Stimuli. Daher sollte nach Möglichkeit zu allen Sitzungen ein Laptop mitgebracht werden.

Zugleich werden wir lernen, wie man Stimuli so designt, dass sie alters- und kulturangemessen sind und man mit ihnen ausreichende Mengen von qualitativ hochwertigen und aussagekräftigen Daten für Einzelsprachuntersuchungen oder Sprachvergleichsstudien erheben kann. Dabei werden wir neben generellen Fragen zum Studiendesign auch diskutieren, wie man Befunde aus der Psycholinguistik beim Stimulusdesign nutzen kann. So werden wir uns z.B. mit Studien befassen, die untersuchen, wie Farb- oder Größenkontraste zwischen Objekten zum Gebrauch von Adjektiven anregen (kleines vs. große Huhn). Wir werden uns auch mit psycholinguistischen Studien auseinandersetzen, um herauszufinden, welchen Einfluss die Schreibrichtung in der untersuchten Kultur auf die Betrachtung und Beschreibung von Bildern hat.

Studienleistungen

Die Studienleistungen bestehen aus mehreren Hausaufgaben. Für die Hausarbeit soll ein eigener Stimulus entwickelt, beschrieben und pilotiert werden. Dabei können vorhandene Materialien kombiniert oder modifiziert werden. So kann man z.B. Einzelbilder aus einem Stimulusarchiv für ein Experiment verwenden. Man kann aber auch ein Storyboard für die Erhebung von narrativen Daten erstellen. Es können auch eigene Bilder, Videos, Spielzeuge oder andere Objekte gestaltet werden.

Ziele

Kenntnisse und praktische Anwendung von Methoden zur Erhebung von Sprachdaten, Kenntnisse von zentralen Bereichen und Befunden der Psycholinguistik, Kenntnisse von Studiendesign im Kontext von Feldforschung bzw. Psycholinguistik, IT-Kenntnisse (Multimedia-Softwäre, Präsentationssoftware, Microsoft Office), Graphikdesigngrundkenntnisse, Teamfähigkeit

Literatur und Ressourcen

Zum Einstieg:

  • Eisenbeiss, Sonja. 2010. Production methods. In Elma Blom & Sharon Unsworth (eds.), Experimental methods in language acquisition research, 11-34. Amsterdam: John Benjamins.
  • Hellwig, Birgit. 2019. Linguistic diversity, language documentation and psycholinguistics: The role of stimuli. In Aimée Lahaussois & Marine Vuillermet (eds.), Methodological tools for linguistic description and typology (Language Documentation and Conservation SP 16), 5-30.

Literaturliste: https://experimentalfieldlinguistics.wordpress.com/readings/using-visual-stimuli-to-collect-language-data/

Weitere Literatur, Informationen und Tutorials zu Software und Experimentdesign sowie Links zu Stimulusarchiven findet man auf den folgenden Ressourcenseiten:

Handouts, weiterführende Literatur und andere Materialien zu einzelnen Sitzungen werden auf Ilias bereitgestellt.

  • Bochnak, M. Ryan, and Matthewson, Lisa (eds), 2015.  Methodologies in Semantic Fieldwork.  Oxford: Oxford University Press.
  • Eisenbeiss, Sonja. 2009. Contrast is the name of the game: Contrast-based semi-structured elicitation techniques for studies o1n children’s language acquisition. Essex Research Reports in Linguistics 57(7).
  • Eisenbeiss, Sonja. 2010. Production methods. In Elma Blom & Sharon Unsworth (eds.), Experimental methods in language acquisition research, 11-34. Amsterdam: John Benjamins.
  • Hellwig, Birgit. 2006. Field semantics and grammar-writing: Stimuli-based techniques and the study of locative verbs. In Felix K. Ameka, Alan Dench & Nick Evans (eds.), Catching language: The standing challenge of grammar writing, 321-358. Berlin/New York: Mouton de Gruyter.
  • Hellwig, Birgit. 2019. Linguistic diversity, language documentation and psycholinguistics: The role of stimuli. In Aimée Lahaussois & Marine Vuillermet (eds.), Methodological tools for linguistic description and typology (Language Documentation and Conservation SP 16), 5-30.
  • Lahaussois, and Marine Vuillermet (eds.). 2019. Methodological tools for linguistic description and typology (Language Documentation and Conservation SP 16). https://nflrc.hawaii.edu/ldc/sp16/
  • Lüpke, Friederike. 2009. Data Collection Methods for Field-Based Language Documentation. Language Documentation and Description 6, 53–100.
    https://tuhat.helsinki.fi/ws/portalfiles/portal/133711702/ldd06_04.pdf
  • Majid, Asifa. 2012. A guide to stimulus-based elicitation for semantic categories. In Nicholas Thieberger (ed.), The Oxford handbook of linguistic fieldwork, 54-71.
    https://pure.mpg.de/rest/items/item_758547/component/file_2618757/content

Puzzle board_01Oxford: Oxford University Press.

Seminarplan

Termin Thema
22.04.2020 Einführung
29.04.2020 Typen von Stimuli
06.05.2020 Stimuli als Sprachanlässe
13.05.2020 Zielkonstruktionen und semantische Felder
20.05.2020 Experimente vs. semi-strukturierte Tasks
27.05.2020 Störvariablen und Standardisierung
03.06.2020 Pfingstferien
10.06.2020 Sprach- und kulturvergleichende Studien
17.06.2020 Altersangemessenheit
24.06.2020 Bildproduktion
01.07.2020 Videoproduktion
08.07.2020 Präsentationssoftware
15.07.2020 Abschlussdiskussion